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22.01.19 17:43 Uhr

Gib die schöne Hand!

Anne-Sophie Rudolph

Links oder rechts? Händigkeit rechtzeitig erkennen › aber nicht beeinflussen

Jeder Mensch hat eine dominante Hand. Bei den meisten ist es die rechte. Grund hierfür ist die Zweiteilung des Gehirns. Aufgrund des gekreuzten Verlaufes der Nervenbahnen ist bei einem Rechtshänder die linke Gehirnhälfte führend, beim Linkshänder die rechte.

Rechts- oder Linkshändigkeit (auch Lateralität bzw. Handpräferenz) beschreibt die Unterscheidung von Haltehand und Führungshand. Dies ist in den Erbanlagen genetisch ebenso festgelegt wie z.B. die Farbe der Augen und keine Frage der Erziehung.

Lange Zeit galt Linkshändigkeit als schlechte Angewohnheit und es war üblich, Kindern dies mit allen Mitteln abzugewöhnen. Die "richtige Hand" war selbstverständlich die rechte. "Gib mir das schöne Händchen und nimm den Stift in die feine Hand!". Diese und ähnliche Aufforderungen bekam der Nachwuchs früher zu hören, wenn er mit der linken Hand zugriff, malte oder aß.

Was aber ist schlimm daran, mit links zu schreiben?
"Das mache ich doch mit links" ist der Satz, der ausdrücken soll, dass einem Rechtshänder etwas besonders leichtfällt. Doch Linkshänder haben es im Alltag oft nicht leicht in einer Welt, die für Rechtshänder konzipiert ist. Asymmetrische Gebrauchsgegenstände wie Füllfederhalter, Schere, Spitzer, Kartoffelschäler & Co. sind in aller Regel für die rechte Führungshand gemacht. Sie liegen in der linken Hand genauso schlecht wie ein rechter Schuh am linken Fuß passen würde.

Eine Ursache, warum sich manche Linkshänder bereits im Kindesalter selbst auf Rechtshändigkeit umschulen, liegt an äußeren Faktoren wie der Erziehung oder ist durch Krankheiten bzw. Verletzungen bedingt. Häufig wollen Kinder andere nachahmen, selbst wenn nach ihrem eigenen Körpergefühl die linke Hand die richtige ist.

"Auch wenn eindeutig belegt ist, dass sich die generelle Seitigkeit des Menschen nicht ändern lässt, ist es möglich, durch Zwang die Bevorzugung einer Hand für bestimmte Tätigkeiten, wie z.B. dem Schreiben, zu erreichen.
Die Folgen dieser extremen Manipulation können vielfältig sein und regelrecht fatale Auswirkungen haben. Da eine Umerziehung zu gravierenden Problemen wie Lese-Rechtschreibschwäche, Sprachstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten und sogar psychischen Problemen wie Minderwertigkeitsgefühlen führen kann, ist eine Austestung der Handpräferenz unabdingbar", so Anne-Sophie Rudolph, Leiterin der Ergotherapie Rosenhof.

Zumeist verläuft die Händigkeitsfindung völlig ungestört und viele Kinder setzen bereits mit zwei Jahren eine bevorzugte Hand ein. Zeigt sich nach dem vierten Lebensjahr noch ein häufig wechselnder Handgebrauch und ist die Händigkeit vor dem Schuleintritt nicht eindeutig ersichtlich, sollte das Kind unbedingt einem Ergotherapeuten vorgestellt werden. Mit geschulter Beobachtung und Kenntnis sinnvoller Testmethodik kann dieser genau ermitteln, wie stark die Ausprägung der Händigkeit ist. Durch medizinische Kenntnisse und psychologisches Wissen können so rechtzeitig die angeborene Vorzugshand entsprechend gefördert und Schulprobleme erspart werden.

Aber auch Erwachsene, die Zweifel an ihrer Händigkeit haben und oft Störungen in der Feinmotorik zeigen, können sich dort testen lassen und bei Bedarf mit fachlicher Begleitung rückschulen lassen.

weitere Informationen:
Ergotherapie Rosenhof

 

L. Kottwitz

© Poliklinik gGmbH Chemnitz